Micron Document
<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Referenzzinssatz</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Referenzzinssatz"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Referenzzinssatz rootpage-Referenzzinssatz skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Referenzzinssatz</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der <b>Referenzzinssatz</b> ist im <a href="Bankwesen" class="mw-redirect" title="Bankwesen">Bankwesen</a> ein <a href="Zinssatz" title="Zinssatz">Zinssatz</a>, der von neutraler Stelle institutsübergreifend täglich für eine bestimmte Währung und Zinslaufzeit ermittelt wird und im <a href="Nichtbank" title="Nichtbank">Nichtbankensektor</a> als Bezugs- und Orientierungsgröße anerkannt ist.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Allgemeines">Allgemeines</h2></div>
<p>Weltweit unterscheiden sich <a href="Kreditinstitut" title="Kreditinstitut">Kreditinstitute</a> insbesondere durch die Höhe ihrer Zinsen, seien es <a href="Kreditzins" class="mw-redirect" title="Kreditzins">Kreditzinsen</a> oder Zinsen für <a href="Habenzins" title="Habenzins">Geldanlagen</a> in einer bestimmten Laufzeit. Einen einheitlichen Zins für eine bestimmte Laufzeit und Währung gibt es daher nicht. Deshalb bestand insbesondere bei großen Transaktionen (wie die <a href="Emission_(Wirtschaft)" title="Emission (Wirtschaft)">Emission</a> von <a href="Anleihe" title="Anleihe">Anleihen</a> oder die Gewährung von <a href="Konsortialkredit" title="Konsortialkredit">Konsortialkrediten</a>) und sonstigen zinstragenden Verträgen das Bedürfnis, einen einheitlichen Zins zu finden, der diese atomistische Intransparenz beseitigt und als repräsentativ angesehen werden konnte. Der Referenzzinssatz hatte daher die Anforderungen zu erfüllen, die an eine anerkannte Bezugsgröße, wie sie häufig für Verträge und aus gesetzlichen Gründen gebraucht wird, gestellt werden.
</p><p>Im <a href="Versicherungswesen" class="mw-redirect" title="Versicherungswesen">Versicherungswesen</a>, insbesondere bei der <a href="Lebensversicherung" title="Lebensversicherung">Lebensversicherung</a>, wird der Begriff des Referenzzinses anders gebraucht. Er dient der Bestimmung der Zinszusatzreserve und wird über einen Referenzzeitraum von zehn Kalenderjahren als <a href="Arithmetisches_Mittel" title="Arithmetisches Mittel">arithmetisches Mittel</a> von <a href="Euro" title="Euro">Euro</a>-<a href="Zinsswap" title="Zinsswap">Zinsswapsätzen</a> berechnet (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/deckrv_2016/__5.html">§&nbsp;5</a></span> Abs. 3 <a href="Deckungsr%C3%BCckstellungsverordnung" title="Deckungsrückstellungsverordnung">DeckRV</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Für lange Zeit waren die von den nationalen <a href="Zentralbank" title="Zentralbank">Zentralbanken</a> einseitig festgelegten <a href="Leitzins" title="Leitzins">Leitzinsen</a> der einzige Referenzzins. Deshalb orientierte man sich in England an der „Minimum Lending Rate“ (genannt „base rate“) der <a href="Bank_of_England" title="Bank of England">Bank of England</a>, in den USA an der „Prime rate“ der <a href="Federal_Reserve_Bank" class="mw-redirect" title="Federal Reserve Bank">Federal Reserve Bank</a> oder in Deutschland am <a href="Diskontsatz" title="Diskontsatz">Diskont-</a> oder später <a href="Lombardsatz" title="Lombardsatz">Lombardsatz</a> der <a href="Deutsche_Bundesbank" title="Deutsche Bundesbank">Deutschen Bundesbank</a>. <a href="Finanztransaktion" class="mw-redirect" title="Finanztransaktion">Finanztransaktionen</a> wurden an diese Leitzinsen gekoppelt.
</p><p>Am <a href="Finanzplatz_London" class="mw-redirect" title="Finanzplatz London">Finanzplatz London</a> fürchtete man in Bankkreisen jedoch eine Behinderung des Wachstums von <a href="Bankgesch%C3%A4ft" title="Bankgeschäft">Bankgeschäften</a>, so dass man ab Oktober 1984 unter Federführung <a href="British_Bankers%E2%80%99_Association" title="British Bankers’ Association">British Bankers’ Association</a> (BBA), einer Interessenvertretung britischer Banken, Arbeitsgruppen mit dieser Thematik befasste. Zeitgleich einigte sich die deutsche Bankwirtschaft im August 1985 darauf, den <a href="FIBOR" class="mw-redirect" title="FIBOR">FIBOR</a> als <a href="Deutsche_Mark" title="Deutsche Mark">DM</a>-Referenzzins zu kreieren.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verfahren">Verfahren</h2></div>
<p>Die BBA entwickelte schließlich ein Verfahren, das ab Januar 1986 erstmals den <a href="LIBOR" class="mw-redirect" title="LIBOR">LIBOR</a> zunächst für die drei Währungen <a href="Britisches_Pfund" class="mw-redirect" title="Britisches Pfund">Britisches Pfund</a>, <a href="US-Dollar" title="US-Dollar">US-Dollar</a> und <a href="Yen" title="Yen">Yen</a> vorstellte. Ziel war es, einen arithmetischen Durchschnittszinssatz in diesen Währungen für bestimmte Laufzeiten zu ermitteln. Zu diesem Zweck wählte die BBA mindestens 8 und höchstens 16 repräsentative Banken mit <a href="Sitz_(juristische_Person)" title="Sitz (juristische Person)">Sitz</a> in <a href="London" title="London">London</a> aus („panel banks“), die täglich ab 11:00 Uhr Londoner Zeit ihre bankinternen Zinssätze (die nicht auf tatsächlichen Transaktionen beruhen müssen) an den <a href="Online-Dienst" class="mw-redirect" title="Online-Dienst">Online-Dienst</a> <a href="Thomson_Reuters" title="Thomson Reuters">Thomson Reuters</a> melden („Quotierung“), der die unterschiedlichen Zinssätze auswertet. Die gemeldeten Zinsen sind <a href="Interbankenmarkt" class="mw-redirect" title="Interbankenmarkt">Interbankzinsen</a>, zu denen eine Bank einer anderen Bank Geld (ohne <a href="Kreditsicherheit" class="mw-redirect" title="Kreditsicherheit">Kreditsicherheiten</a>) auf dem <a href="Geldmarkt" title="Geldmarkt">Geldmarkt</a> zum <a href="Briefkurs" title="Briefkurs">Briefsatz</a> leihen würde. Bei den Meldungen werden jeweils 25&nbsp;% der höchsten und niedrigsten Zinssätze eliminiert, bevor aus dem Rest von 50&nbsp;% ein linearer Durchschnitt errechnet wird.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hierdurch wird vermieden, dass die einen Durchschnittswert beeinflussenden Extremwerte berücksichtigt werden und das Bild verfälschen. Dieser Durchschnittszinssatz heißt LIBOR und wird im Auftrag der BBA ab 11:45 Uhr Londoner Zeit von Thomson Reuters online weltweit zur Verfügung gestellt.
</p><p>Seither hat sich der Kreis der am LIBOR teilnehmenden Währungen auf 10 erhöht, während die Laufzeiten von 1 Tag (<a href="Tages-_und_Termingeldhandel" title="Tages- und Termingeldhandel">Overnight-Money</a>) über 1 Woche bis 12 Monate gestaffelt sind.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Arten">Arten</h2></div>
<p>Der LIBOR war lange Zeit neben den Leitzinsen weltweit der einzige Referenzzins. Neben dem LIBOR und FIBOR haben sich erst spät weitere Referenz- oder Basiszinssätze etabliert. Seit Januar 1999 gibt es den <a href="EURIBOR" class="mw-redirect" title="EURIBOR">EURIBOR</a>, der inzwischen als ein anerkannter Referenzsatz innerhalb der <a href="EWU" class="mw-redirect" title="EWU">EWU</a> gilt und auch außerhalb der EWU bei Transaktionen in <a href="Euro" title="Euro">Euro</a> zugrunde gelegt wird. Er wird technisch wie der LIBOR ermittelt und veröffentlicht. Das gilt auch für den seit Januar 1999 veröffentlichten <a href="EONIA" title="EONIA">EONIA</a>, der allerdings auf tatsächlichen Transaktionen beruht und daher als betragsgewichteter Durchschnittszins ermittelt wird. EURIBOR und EONIA wurden von Beginn an vom <a href="ACI_%E2%80%93_The_Financial_Markets_Association" title="ACI – The Financial Markets Association">ACI</a> als Alternative zum LIBOR geplant.
</p><p>In der Folge des LIBOR haben sich Referenzzinssätze wie CHF-LIBOR (Schweiz), HIBOR (<a href="Hongkong" title="Hongkong">Hongkong</a>), <a href="SHIBOR" class="mw-redirect" title="SHIBOR">SHIBOR</a> (<a href="Shanghai" title="Shanghai">Shanghai</a>) oder TIBOR (<a href="Tokio" title="Tokio">Tokio</a>) mit identischen Ermittlungsritualen entwickelt.
</p><p>Die <a href="EZB" class="mw-redirect" title="EZB">EZB</a> veröffentlicht zudem drei Zinssätze, die als Referenzzinssatz angesehen werden können, nämlich den Zinssatz für das <a href="Hauptrefinanzierungsinstrument" title="Hauptrefinanzierungsinstrument">Hauptrefinanzierungsgeschäft</a>, die <a href="Spitzenrefinanzierungsfazilit%C3%A4t" title="Spitzenrefinanzierungsfazilität">Spitzenrefinanzierungsfazilität</a> und die <a href="Einlagefazilit%C3%A4t" title="Einlagefazilität">Einlagefazilität</a>. Auch alle übrigen Leitzinsen internationaler Zentralbanken wie etwa die „Prime rate“ der Federal Reserve Bank, können als Referenzzins angesehen werden.
</p><p>Der <a href="Spareckzins" title="Spareckzins">Spareckzins</a> ist ein Referenzzinssatz für <a href="Spareinlage" title="Spareinlage">Spareinlagen</a> mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er dient bei so genannten <a href="Mietsicherheit" title="Mietsicherheit">Barkautionen</a> im Rahmen von <a href="Mietvertrag_(Deutschland)" title="Mietvertrag (Deutschland)">Mietverträgen</a> nach <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__551.html">§&nbsp;551</a></span> Abs. 3 Satz 1 BGB als gesetzlicher Referenzzinssatz für die Verzinsung der als Sicherheit dienenden <a href="Mietsicherheit" title="Mietsicherheit">Mietkaution</a>.
</p><p>Für Mietzinsanpassungen aufgrund von Änderungen des Hypothekarzinssatzes gilt in der Schweiz seit September 2008 ein einheitlicher Referenzzinssatz. Dieser stützt sich auf den hypothekarischen Durchschnittszinssatz der Banken.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendung_des_Referenzzinses">Anwendung des Referenzzinses</h2></div>
<p>Bei zinstragenden Transaktionen mit <a href="Variabler_Zins" class="mw-redirect" title="Variabler Zins">variablen Zinsen</a> und <a href="Zinsanpassung" class="mw-redirect" title="Zinsanpassung">Zinsanpassungsklauseln</a> (insbesondere bei <a href="Kreditvertrag" title="Kreditvertrag">Kreditverträgen</a> oder <a href="Finanzprodukt" title="Finanzprodukt">Geldanlagen</a>, <a href="Zinsswap" title="Zinsswap">Zinsswaps</a> oder <a href="Zinsderivat" title="Zinsderivat">Zinsderivaten</a> wie <a href="Zinscap_und_Zinsfloor" title="Zinscap und Zinsfloor">Zinscap und Zinsfloor</a> und <a href="Collar_(Finanzwesen)" title="Collar (Finanzwesen)">Collars</a>, <a href="Floater" title="Floater">Floating Rate Notes</a>)<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wird der Referenzzinssatz in den Verträgen genau definiert, auch die mit ihm verbundene <a href="Zinsberechnungsmethode" title="Zinsberechnungsmethode">Zinsberechnungsmethode</a>. Gleichzeitig wird ein fester Aufschlag (bei Krediten) oder Abschlag (bei Geldanlagen) zum Referenzzinssatz festgelegt,<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wobei sich nur eintretende Veränderungen des Referenzzinssatzes auf die Zinshöhe auswirken können. Deshalb wird der EURIBOR sehr häufig für variabel verzinsliche Anleihen genutzt, so dass sie annähernd kein Zinsänderungsrisiko aufweisen.<sup id="cite_ref-pape_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-pape-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Aus Referenzzinssätzen kann auch ein <a href="Zinsindex" title="Zinsindex">Zinsindex</a> ermittelt werden, der als <a href="Basiswert" title="Basiswert">Basiswert</a> bei <a href="Zinsderivat" title="Zinsderivat">Zinsderivaten</a> verwendet werden kann.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rechtsfragen">Rechtsfragen</h2></div>
<p>In Deutschland ist die Verwendung von Referenzzinssätzen insbesondere im <a href="Verbraucherschutz" title="Verbraucherschutz">Verbraucherschutz</a> durch die <a href="Rechtsprechung" title="Rechtsprechung">Rechtsprechung</a> anerkannt. Werden bei Privatkunden variable Zinsen berechnet, so dürfen Kreditinstitute das <a href="Billigkeit#Billiges_Ermessen" title="Billigkeit">„billige Ermessen“</a> nach <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__315.html">§&nbsp;315</a></span> BGB anwenden. Der BGH verlangt jedoch, dass <a href="Sollzins#Zinsänderungsklauseln" title="Sollzins">Zinsanpassungsklauseln</a> im Kreditgeschäft der Angabe der notwendigen Berechnungsparameter bedürfen. Dabei sind als Referenzzinssätze der EURIBOR oder LIBOR geeignet. Wenn sich eine Bank in einem formularmäßigen Kreditvertrag einseitig eine Zinsänderung vorbehält, so ist eine derartige Klausel grundsätzlich dahin auszulegen, dass sie lediglich eine Anpassung (Erhöhung oder Senkung) des Vertragszinses an <a href="Kapitalmarkt" title="Kapitalmarkt">kapitalmarktbedingte</a> Änderungen der Refinanzierungskonditionen der Bank gemäß § 315 BGB ermöglicht. Eine solche Klausel hält der gerichtlichen Inhaltskontrolle stand.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei Geldanlagen mit variabler Verzinsung ist der marktübliche Zins zugrunde zu legen.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei variabler Zinsvereinbarung muss dann der relative Abstand zwischen dem anfänglichen Vertragszins und dem Referenzzins während der gesamten Laufzeit eines Sparplans gewahrt bleiben.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der gesetzliche <a href="Basiszinssatz" title="Basiszinssatz">Basiszinssatz</a> des <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__247.html">§&nbsp;247</a></span> Abs. 1 BGB verwendet als Bezugsgröße den Zinssatz für die jüngste Hauptrefinanzierungsoperation der Europäischen Zentralbank. Auf ihn bezieht sich eine Vielzahl gesetzlicher Bestimmungen, etwa <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__288.html">§&nbsp;288</a></span> Abs. 1 und 2 BGB (<a href="Schuldnerverzug_(Deutschland)" title="Schuldnerverzug (Deutschland)">Verzugszinsen</a>), <a href="Wechselgesetz" title="Wechselgesetz">Wechsel-</a> und <a href="Scheckgesetz" title="Scheckgesetz">Scheckgesetz</a>, <a href="Aktiengesetz_(Deutschland)" title="Aktiengesetz (Deutschland)">Aktiengesetz</a> oder <a href="Zivilprozessordnung_(Deutschland)" title="Zivilprozessordnung (Deutschland)">Zivilprozessordnung</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bedeutung">Bedeutung</h2></div>
<p>Der Referenzzins gilt international als wichtiges <a href="Benchmark" title="Benchmark">Benchmark</a>, auch um Zinsentwicklungen und -veränderungen besser beurteilen zu können. Er wird volkswirtschaftlichen Analysen über die Zinsentwicklung zugrunde gelegt. Zudem ist er eine bedeutsame Orientierungsgröße für alle Sektoren der Wirtschaft, die ihn bei Planungen einbeziehen. Bei sehr liquiden Geldmärkten gilt der EURIBOR als verlässliche Orientierungsgröße für das <a href="Zinsniveau" title="Zinsniveau">Zinsniveau</a>.<sup id="cite_ref-pape_7-1" class="reference"><a href="#cite_note-pape-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit der Nutzung von Referenzzinsen entfallen Streitigkeiten über die Zugrundelegung bankindividueller Zinssätze, die meist nur schwer nachzuvollziehen sind, und Konflikte über den Zinsveränderungsanlass. Die Vereinbarung eines Referenzzinses schafft eine Automatisierung der Zinsveränderungen, so dass nicht mehr hierüber verhandelt werden muss.
</p><p>Neben den Leitzinsen der Zentralbanken haben die rechnerisch ermittelten Referenzzinssätze weltweit noch größere Anerkennung als repräsentative Bezugs- und Orientierungsgröße gefunden. Dazu gehört der LIBOR, EURIBOR und EONIA. Sie werden inzwischen in der gesamten Wirtschaft als Bezugszins bei Verträgen mit Zinswirkung verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Geldmarkt" title="Geldmarkt">Geldmarkt</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Friedrich L. Sell: <cite style="font-style:italic">Kredit als Produktionsfaktor in der Landwirtschaft</cite>. In: Theodor Dams (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Beiträge zur Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik</cite>. Duncker &amp; Humblot, Berlin 1990, ISBN 978-3-428-46866-9, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>218</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=fIKY5nLJhgsC&amp;pg=PA218&amp;q=referenzzins#v=onepage">Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Referenzzinssatz&amp;rft.atitle=Kredit+als+Produktionsfaktor+in+der+Landwirtschaft&amp;rft.au=Friedrich+L.+Sell&amp;rft.btitle=Beitr%C3%A4ge+zur+Gesellschafts-+und+Wirtschaftspolitik&amp;rft.date=1990&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783428468669&amp;rft.pages=218&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Duncker+%26+Humblot" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Max Lüscher-Marty: <cite style="font-style:italic">Theorie und Praxis der Geldanlage 1</cite>. Compendio Bildungsmedien, 2010, ISBN 978-3-7155-9450-7, 3.10 Geldmarktanlagen (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=QOnA10CcXzIC&amp;pg=PT126&amp;q=referenzzins">Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abookitem&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Referenzzinssatz&amp;rft.atitle=3.10+Geldmarktanlagen&amp;rft.au=Max+L%C3%BCscher-Marty&amp;rft.btitle=Theorie+und+Praxis+der+Geldanlage+1&amp;rft.date=2010&amp;rft.genre=bookitem&amp;rft.isbn=9783715594507&amp;rft.pub=Compendio+Bildungsmedien" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">BGH, Urteil vom 13. April 2010, Az.: XI ZR 197/09 = WM 2010, 933 Rn. 22.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20130923113953/http://www.bwo.admin.ch/themen/mietrecht/00282/"><i>Hypothekarischer Referenzzinssatz bei Mietverhältnissen</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> des <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r250917974">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .dewiki-iconexternal>a{background-position:center right!important;background-repeat:no-repeat!important}body.skin-minerva .mw-parser-output .dewiki-iconexternal>a{background-image:url("./_mw_/OOjs_UI_icon_external-link-ltr-progressive.svg")!important;background-size:10px!important;padding-right:13px!important}body.skin-timeless .mw-parser-output .dewiki-iconexternal>a,body.skin-monobook .mw-parser-output .dewiki-iconexternal>a{background-image:url("./_mw_/MediaWiki_external_link_icon.svg")!important;padding-right:13px!important}body.skin-vector .mw-parser-output .dewiki-iconexternal>a{background-image:url("./_mw_/Link.ernal-small-ltr-progressive.svg")!important;background-size:0.857em!important;padding-right:1em!important}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="dewiki-iconexternal"><a class="external text" href="https://redirecter.toolforge.org/?url=http%3A%2F%2Fwww.bwo.admin.ch%2Fthemen%2Fmietrecht%2F00282%2F">Originals</a></span> vom 23. September 2013 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) <small class="archiv-bot"><span class="wp_boppel noviewer" aria-hidden="true" role="presentation"><span typeof="mw:File"><span title="i"></span></span></span>&nbsp;<b>Info:</b> Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</small><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://IABotmemento.invalid/http://www.bwo.admin.ch/themen/mietrecht/00282/">@1</a></span><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.bwo.admin.ch/themen/mietrecht/00282/">@2</a></span><span style="display:none">Vorlage:Webachiv/IABot/www.bwo.admin.ch</span>, Schweizer Bundesamt für Wohnungswesen vom September 2013.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Joachim Prätsch, Uwe Schikorra, Eberhard Ludwig: <cite style="font-style:italic">Finanz-Management</cite>. Springer Berlin Heidelberg, 2007, ISBN 978-3-540-70786-8, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>214<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>f</span>. (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=aqvPcTIlwN0C&amp;pg=PA214&amp;q=referenzzinssatz#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Referenzzinssatz&amp;rft.au=Joachim+Pr%C3%A4tsch%2C+Uwe+Schikorra%2C+Eberhard+Ludwig&amp;rft.btitle=Finanz-Management&amp;rft.date=2007&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783540707868&amp;rft.pages=214f&amp;rft.pub=Springer+Berlin+Heidelberg" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Hartmut Bieg: <cite style="font-style:italic">Bankbilanzierung nach HGB und IFRS</cite>. Vahlen, 2011, ISBN 978-3-8006-4456-8, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>297</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=RaL0G3oLeCIC&amp;pg=PA297&amp;q=referenzzinssatz#v=onepage">Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Referenzzinssatz&amp;rft.au=Hartmut+Bieg&amp;rft.btitle=Bankbilanzierung+nach+HGB+und+IFRS&amp;rft.date=2011&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783800644568&amp;rft.pages=297&amp;rft.pub=Vahlen" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-pape-7"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-pape_7-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-pape_7-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Ulrich Pape: <cite style="font-style:italic">Grundlagen der Finanzierung und Investition</cite>. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2011, ISBN 978-3-486-59842-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>178</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=o_1NE-EXb3cC&amp;pg=PA178&amp;q=referenzzinssatz#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Referenzzinssatz&amp;rft.au=Ulrich+Pape&amp;rft.btitle=Grundlagen+der+Finanzierung+und+Investition&amp;rft.date=2011&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783486598421&amp;rft.pages=178&amp;rft.pub=Oldenbourg+Wissenschaftsverlag" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">BGH Urteil vom 6. März 1986 = <a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ+97%2C+212">BGHZ 97, 212</a></span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">BGH, Urteil vom 10. Juni 2008, Az.: XI ZR 211/07 == <a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=NJW+2008%2C+3422">NJW 2008, 3422</a></span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">BGH, Urteil vom 13. April 2010, Az.: XI ZR 197/09 = <a rel="nofollow" class="external text" href="https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=BGHZ+185%2C+166">BGHZ 185, 166</a></span>
</li>
</ol>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable" style="border-top-style: solid; border-top-width: 1px; clear: both; font-size:95%; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="Vorlage_Rechtshinweis"><div class="noviewer noresize nomobile" style="display: table-cell; padding-bottom: 0.2em; padding-left: 0.25em; padding-right: 1em; padding-top: 0.2em; vertical-align: middle;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="skin-invert" typeof="mw:File"></span></div>
<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!</div>
</div></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2024-12-08" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Referenzzinssatz&amp;oldid=251061478">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>

</body></html>